Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende

Für Auszubildende steht der Berufseinstieg meist im Vordergrund. Gleichzeitig können gesundheitliche Einschränkungen auch junge Menschen treffen und den Weg in den Arbeitsmarkt erschweren. Die Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende schützt vor Einkommensausfällen, wenn der Ausbildungsberuf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Gerade in jungen Jahren sind die Beiträge oft niedrig, und der Gesundheitszustand gilt häufig als günstig.

Warum sollten Azubis eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den zentralen Absicherungen im Erwerbsleben. Sie zahlt eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente, wenn aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich nur noch 50 Prozent oder weniger der bisherigen Tätigkeit möglich sind. Statistiken der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) zeigen, dass etwa jede vierte Person im Laufe des Lebens berufsunfähig wird.

Für junge Menschen ist ein früher Abschluss oft vorteilhaft, da Beiträge in der Regel geringer ausfallen. Ohne private Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Betroffene auf staatliche Unterstützung zurückgreifen. Gerade für Auszubildende besteht in den ersten Arbeitsjahren kaum Schutz: Wird ein Azubi berufsunfähig, gibt es üblicherweise keine staatliche Leistung.

Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende

Ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente entsteht meist erst nach fünf Jahren Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung (§ 43 SGB VI). Nur in Ausnahmefällen erfolgt eine Zahlung an Azubis, etwa bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit (§ 53 SGB VI).

Selbst dann ist die Bewilligung nicht selbstverständlich. Die Deutsche Rentenversicherung prüft unter anderem, ob eine andere Tätigkeit ausgeübt werden könnte. Solange dies möglich ist, besteht kein Anspruch. Und selbst im Falle einer Zahlung fällt die Erwerbsminderungsrente oft niedrig aus. Die volle EWR wird erst gezahlt, wenn weniger als drei Stunden tägliche Arbeit möglich sind.

Die Höhe der privaten Berufsunfähigkeitsrente wird zu Vertragsbeginn festgelegt. Sie hängt nicht davon ab, wie lange bereits gearbeitet wurde oder wie hoch das Einkommen ist. Viele Anbieter begrenzen den möglichen Rentenbetrag zu Beginn auf etwa 1000 Euro. Die folgenden Beispiele mit realistischen Zahlen zeigen den möglichen finanziellen Vorteil des frühen Einstiegs bei gleicher BU-Rente von 1.000 Euro im Monat.

Einstiegsalter & BU-Rente Monatsbeitrag Summe bis 30 Jahre eingezahlt mögliche Auszahlung bis 67 Bemerkung
Schüler (16)

1.000 €/Monat

ca. 30 € ca. 5.000 € ca. 444.000 € günstigster Einstieg, risikoarme Einstufung
Azubi (19) 

1.000 €/Monat

ca. 50 € ca. 6.600 € ca. 444.000 € höhere Beiträge, gleiche Leistung
Student (23) 

1.000 €/Monat

ca. 75 € ca. 6.300 € ca. 444.000 € teuerster Einstieg, kurze Beitragszeit bis 30

Wie viel kostet eine BU für Dich als Azubi?

Für Auszubildende liegen die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung häufig zwischen 40 und 120 Euro im Monat, abhängig vom jeweiligen Ausbildungsberuf. Jüngere Azubis zahlen in der Regel geringere Beiträge als ältere Personen. Maßgeblich sind Alter und Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses.

Wer den Abschluss hinauszögert und bereits Vorerkrankungen entwickelt hat, muss mit höheren Beiträgen rechnen. Bei schwereren Erkrankungen kann es sogar vorkommen, dass kein Vertrag mehr zustande kommt oder dass bestimmte Körperbereiche im Vertrag ausgeschlossen werden.

Qualifikation Lebensverdienst (brutto)
Hochschulabschluss 2,52 Mio. €
Berufsausbildung + Fortbildungsabschluss 2,23 Mio. €
Berufsausbildung 1,69 Mio. €
Ohne Berufsausbildung 1,45 Mio. €

Der gewählte Beruf beeinflusst maßgeblich die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Tätigkeiten im handwerklichen, sozialen oder künstlerischen Bereich gelten bei vielen Anbietern als risikoreicher. Da Menschen in solchen Berufen statistisch häufiger berufsunfähig werden, fallen die Beiträge höher aus.

Wer eine Berufsausbildung in einem handwerklichen oder sozialen Beruf absolviert, zahlt meist mehr als gleichaltrige Auszubildende im Bürobereich.

Vorteilhaft kann es sein, sich bereits als Schüler oder Schülerin mit der Berufsunfähigkeitsversicherung zu befassen. Besonders bei körperlich anspruchsvollen Ausbildungsberufen führt ein früher Vertragsabschluss oft zu niedrigeren Beiträgen. Beginnt der Schutz bereits vor Aufnahme der Ausbildung, bleibt der Beitrag dauerhaft auf diesem Niveau.

Die nachfolgende Tabelle zeigt Preisbeispiele für verschiedene Ausbildungswege und stellt diesen die Kosten nach Abschluss der Ausbildung gegenüber. Zu beachten ist, dass sich die Beiträge deutlich erhöhen können, wenn Vorerkrankungen vorliegen.

Ausbildung / Beruf Alter beim Abschluss monatlicher Beitrag
Maler und Lackierer-Azubi 17 ab 102 €
gelernter Maler und Lackierer 20 ab 119 €
Tischler-Azubi 18 ab 103 €
gelernter Tischler 21 ab 108 €
Kfz-Mechatronikerin-Azubi 19 ab 62 €
gelernte Kfz-Mechatronikerin 22 ab 67 €
Automobilkauffrau-Azubi 21 ab 48 €
gelernte Automobilkauffrau 23 ab 49 €
Bankkauffrau-Azubi 20 ab 43 €
gelernte Bankkauffrau 25 ab 44 €

In den Beispielen unterscheiden sich die Beiträge für Auszubildende nur gering von denen einer bereits ausgebildeten Fachkraft. Dabei wird jedoch vorausgesetzt, dass keine Vorerkrankungen bestehen. Entwickeln sich während der Ausbildung gesundheitliche Beschwerden, kann die Berufsunfähigkeitsversicherung später im Berufsleben deutlich teurer werden. Mitunter wird der Abschluss sogar erschwert.

Daher empfiehlt es sich, die Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst in jungen und gesunden Jahren abzuschließen. So bleibt der Schutz bezahlbar und realisierbar.

Worauf solltest Du als Azubi bei der BU achten?

Wesentlich ist, dass

  • die BU-Rente ausreichend bemessen ist,
  • sich die BU-Rente bei bestimmten Lebensereignissen anheben lässt,
  • bei Ausbildungs- oder Berufswechsel keine höheren Beiträge entstehen und
  • die Beiträge sinken können, wenn ein Beruf mit geringerem Risiko gewählt wird.

Um diese Punkte korrekt einzuordnen, empfiehlt sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung über einen Versicherungsmakler, der Tarife vergleichen und die Bedingungen prüfen kann.

BU-Rente ausreichend bemessen

Die BU-Rente sollte so gewählt werden, dass im Leistungsfall der Lebensunterhalt gedeckt ist. Für Auszubildende begrenzen viele Anbieter die mögliche Rentenhöhe. Zu Beginn lassen sich je nach Tarif etwa 750 bis 1.500 Euro monatliche Rente vereinbaren.

Mit höherer Berufsunfähigkeitsrente steigen allerdings die monatlichen Beiträge. Wer den Beitrag zunächst nicht aufbringen kann, kann mit einer geringeren Rentenhöhe starten. Nach Abschluss der Ausbildung sollte die Rente angepasst werden, da der finanzielle Bedarf dann in der Regel steigt. Dadurch erhöhen sich später jedoch auch die Beiträge.

Nachversicherungsgarantie beachten

Ein guter Tarif bietet eine Nachversicherungsgarantie. Damit kann die BU-Rente bei bestimmten Lebensereignissen gegen Aufpreis erhöht werden, etwa nach Ende der Ausbildung, bei höherem Einkommen oder nach einer Hochzeit. Als Orientierung gilt, die Berufsunfähigkeitsversicherung-Rente nach dem Ausbildungsabschluss auf etwa 80 Prozent des neuen Nettogehalts anzuheben.

Die Berufsunfähigkeitsrente soll nicht nur laufende Kosten abdecken. Ein Teil sollte für die Altersvorsorge verwendet werden können, da im Fall der Berufsunfähigkeit freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu einer privaten Vorsorge erforderlich sind.

Wichtig: Die Erhöhung der Berufsunfähigkeitsversicherung-Rente sollte ohne erneute Gesundheitsprüfung und ohne erneute Risikoprüfung stattfinden. Das bedeutet, der Versicherer prüft weder den Gesundheitszustand noch das Berufsrisiko ein zweites Mal.

Absicherung der Ausbildung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt im Regelfall davor, den späteren Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben zu können. Der Vertrag sollte aber auch dann leisten, wenn die laufende Berufsausbildung aus gesundheitlichen Gründen nicht fortgesetzt werden kann.

Keine Anzeigepflicht bei Jobwechsel

Idealerweise verzichtet der Anbieter auf eine Pflicht, berufliche Veränderungen mitzuteilen. Dann muss bei einem späteren Jobwechsel keine Meldung erfolgen. Ohne diesen Verzicht könnte der Versicherer eine erneute Risiko- und Gesundheitsprüfung verlangen. Das kann zu höheren Beiträgen führen, wenn der neue Beruf ein höheres Risiko aufweist oder Vorerkrankungen hinzugekommen sind.

Keine Beitragserhöhung bei Ausbildungswechsel

Das Gleiche gilt bei einem Ausbildungswechsel. Wird die begonnene Ausbildung beendet und eine neue aufgenommen, sollte keine erneute Risikoprüfung und keine zusätzliche Gesundheitsprüfung erfolgen. Dadurch bleibt der Beitrag stabil, auch wenn die neue Ausbildung ein anderes Risikoprofil hat.

Keine abstrakte Verweisung akzeptieren

Einige Anbieter zahlen die Berufsunfähigkeitsrente erst dann, wenn keine andere Tätigkeit mehr möglich ist, die den eigenen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht. Diese sogenannte abstrakte Verweisung sollte im Vertrag nicht vorkommen.

Ein Beispiel: Wegen eines Rückenleidens kannst Du nicht mehr lange Auto fahren und gibst deshalb eine Tätigkeit im Außendienst auf. Der Versicherer könnte Dich auf den Innendienst verweisen und die Zahlung verweigern, da die Tätigkeit theoretisch machbar wäre. Ob sich dafür tatsächlich ein Arbeitsplatz findet, wird nicht geprüft.

Beitragssenkung bei risikoärmerem Beruf

Wichtig ist ebenfalls, dass Beiträge sinken, wenn später ein Beruf mit geringerem Risiko ausgeübt wird. Bei einem Jobwechsel kann es sich daher lohnen, beim Versicherungsmakler oder beim Anbieter nachzufragen, wie der neue Beruf eingestuft wird und ob sich der Beitrag dadurch reduzieren lässt.

Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende

Typische Denkfehler junger Leute bei Berufsunfähigkeitsversicherung

„Ich hab ja eine Unfallversicherung.“

Eine Unfallversicherung deckt nur Unfallereignisse ab. Die meisten Fälle von Berufsunfähigkeit entstehen jedoch durch psychische Erkrankungen, chronische Beschwerden oder Tumorerkrankungen und nicht durch Unfälle.

„Ich arbeite ja noch gar nicht.“

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert das zukünftige Berufsleben. Wer erst später absichert, bekommt unter Umständen schlechtere Bedingungen oder muss mehr zahlen.

„Ich bin doch gesund.“

Das ist tatsächlich ein günstiger Zeitpunkt für den Vertragsabschluss. Mit gutem Gesundheitszustand sind Tarife leichter zugänglich.

„Meine Eltern helfen im Notfall.“

Elterliche Hilfe kann unterstützen, ersetzt aber kein dauerhaftes Einkommen. Fällt das eigene Einkommen komplett weg, stößt familiäre Unterstützung oft an Grenzen.

„Ich kann das später noch abschließen.“

Später ist der Abschluss zwar möglich, allerdings häufig mit höheren Beiträgen, Ausschlüssen oder medizinischen Hürden.

„Die Versicherer zahlen sowieso nicht.“

Statistiken zeigen, dass mehr als 80 Prozent der Leistungsanträge anerkannt werden. Schwierigkeiten entstehen meist dann, wenn Gesundheitsangaben ungenau waren oder Nachweise fehlen. Wer sauber dokumentiert und korrekte Angaben macht, hat gute Chancen auf eine Zahlung.

Was kannst Du tun, wenn die erufsunfähigkeitsversicherung zu teuer ist?

Für Auszubildende kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung finanziell anspruchsvoll sein. Liegt der Beitrag über dem verfügbaren Budget, lohnt ein Blick auf andere Ausgaben. Ein günstigerer Mobilfunktarif oder eine preiswertere Krankenversicherung können Spielraum schaffen. In jungen Jahren sind Zugang und Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung meist deutlich vorteilhafter als später.

Bestehen bereits gesundheitliche Beschwerden oder wurde eine Psychotherapie beendet, kann der Abschluss erschwert sein. Vor allem bei psychischen Vorerkrankungen reagieren viele Anbieter zurückhaltend. Häufig kommt es zu Ablehnungen oder zu hohen Risikozuschlägen.

Die meisten medizinischen Angaben müssen für die vergangenen fünf Jahre gemacht werden. Wer nach dieser Zeitspanne beschwerdefrei ist, kann einen neuen Versuch starten.

Mit einer Versicherungsmaklerin oder einem Versicherungsmakler lässt sich klären, ob alternative Absicherungsformen in Betracht kommen. Denkbar sind etwa eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Grundfähigkeitsversicherung. Diese Varianten bieten jedoch geringeren Schutz im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende sichert den Berufsstart ab und bietet finanzielle Stabilität, falls die Ausbildung oder der spätere Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht fortgeführt werden kann. Wer einen Vertrag abschließen möchte, sollte auf Rentenhöhe, Bedingungen und mögliche Ausschlüsse achten und verschiedene Angebote vergleichen, um eine passende Lösung zu finden.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine BU für Kinder sinnvoll?

Ja, eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder kann sinnvoll sein. Der Vertrag startet in einem jungen Alter ohne medizinische Vorgeschichte. Vorerkrankungen sind selten, wodurch Beiträge niedrig ausfallen können. Auch ohne eigenes Einkommen entsteht so früh ein Schutz, der später schwerer erreichbar ist. Für Eltern bedeutet das eine langfristige Absicherung der Zukunft ihres Kindes.

Muss ich die BU-Rente versteuern?

Die BU-Rente unterliegt grundsätzlich der Einkommensteuer, jedoch nur anteilig. Maßgeblich ist der Ertragsanteil, dessen Höhe vom Alter bei Beginn der Rentenzahlung abhängt. Für jüngere Personen fällt dieser Anteil meist gering aus, wodurch die steuerliche Belastung überschaubar bleibt. Eine Einplanung dieser Steuerkomponente ist sinnvoll, damit die Rente im Leistungsfall ausreicht.

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Henri Müller
Henri Müller
Als unabhängiger Versicherungsexperte informiere und begleite ich Menschen dabei, ihre Absicherung verständlich, kompetent und individuell zu gestalten – ganz gleich, ob es um Krankenversicherung, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit oder andere Versicherungsformen geht....