Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen – Leitfaden für den sicheren Austritt

Die Entscheidung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen zu wollen, ist für viele Versicherte ein wichtiger Schritt — und oft auch ein schwerer. Denn eine solche Versicherung bietet finanziellen Schutz, wenn Du Deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen langfristig nicht mehr ausüben kannst. Dennoch kann es gute Gründe geben, eine Kündigung in Betracht zu ziehen, zum Beispiel wenn Beiträge zu teuer werden oder ein besseres Angebot verfügbar ist. Dieser Ratgeber erklärt Dir, wann, wie und unter welchen Bedingungen Du Deine BU-Versicherung kündigen kannst, welche Fristen gelten und welche Alternativen es zur Kündigung gibt.

Was bedeutet „Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen“?

Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte, beendet das bestehende Vertragsverhältnis mit dem Versicherer. Damit fällt auch der Schutz weg, der im Fall einer Berufsunfähigkeit eine monatliche Rentenzahlung sichern würde. Der Vertrag endet zu dem Zeitpunkt, an dem die Kündigung wirksam wird – je nach Tarif und Versicherer kann dies unterschiedlich geregelt sein.

Mit aktiver Versicherung besteht der Anspruch auf eine finanzielle Leistung, sofern der gesundheitliche Zustand eine weitere Ausübung des Berufs unmöglich macht. Wird die berufsunfähigkeitsversicherung gekündigt, entfällt dieser Anspruch vollständig. Da es sich um eine Vorsorge für den Ernstfall handelt, kann eine voreilige Kündigung weitreichende Folgen haben. Ohne Schutz bleibt im Schadensfall nur das eigene Einkommen oder staatliche Unterstützung – beides deckt selten den tatsächlichen Bedarf ab.

Gründe für eine Kündigung

Viele Versicherte denken darüber nach, ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen, aus unterschiedlichen persönlichen oder finanziellen Gründen:

Beitragserhöhungen

Versicherer dürfen Beiträge anpassen. Werden die monatlichen Kosten spürbar höher, suchen viele Menschen nach günstigeren Lösungen oder vergleichen alternative Tarife. Dennoch führt eine Beitragserhöhung nicht automatisch dazu, dass der Vertrag überflüssig wird. Für viele bleibt der Schutz trotz höherer Kosten sinnvoll, da die Absicherung im Leistungsfall enorme finanzielle Hilfe bietet.

Neue Lebenssituation

Oft verändern sich berufliche oder private Umstände. Wer beispielsweise vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit wechselt oder umgekehrt, kann prüfen, ob die bisherige Versicherung noch passend ist. Auch Partnerschaften oder familiäre Veränderungen können dazu führen, dass ein Gruppenvertrag oder ein neuer Tarif attraktiver erscheint.

Unzufriedenheit mit Leistungen oder Tarif

Einige Versicherte entscheiden, ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen, weil sie mit dem aktuellen Service oder dem Leistungsumfang unzufrieden sind. Häufig wird in solchen Fällen ein Wechsel zu einem besseren Tarif oder einem anderen Anbieter in Betracht gezogen, um besseren Schutz oder einen günstigeren Beitrag zu erhalten.

Finanzielle Engpässe

Bei vorübergehenden oder dauerhaften Geldproblemen erscheint die Kündigung für manche als schnelle Entlastung. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass eine spätere Neuaufnahme schwierig oder teurer sein kann, vor allem bei bestehenden Krankheiten oder nach bestimmten Altersstufen. Ein beitragsfreier Vertrag oder eine Reduktion der Leistungen kann hier manchmal eine Alternative darstellen.

Direkte Folgen einer Kündigung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer seine berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte, sollte sich bewusst sein, dass dieser Schritt unmittelbare Auswirkungen hat. Der Vertrag endet, und damit gehen bestimmte Rechte und Schutzleistungen verloren. Für viele Versicherte sind diese Folgen erst auf den zweiten Blick spürbar – im Ernstfall können sie jedoch schwer wiegen.

Wegfall des Versicherungsschutzes

Die stärkste Konsequenz ist der Verlust des Schutzes bei Berufsunfähigkeit. Das bedeutet, dass im Falle einer Erkrankung oder eines Unfalls keine monatliche BU-Rente mehr gezahlt wird. Falls sich später herausstellt, dass man doch wieder Schutz benötigt, muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Dabei kann eine erneute Gesundheitsprüfung verlangt werden, die nicht selten zu höheren Beiträgen führt. Menschen mit Vorerkrankungen können sogar abgelehnt werden oder nur unter erschwerten Bedingungen Versicherungsschutz erhalten. Wer seine berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte, sollte bedenken, dass eine spätere Absicherung häufig kostspieliger und mit Risiken verbunden ist.

Keine Leistungsansprüche nach Vertragsende

Nach dem Wirksamwerden der Kündigung bestehen keinerlei Ansprüche mehr aus dem Vertrag. Dies betrifft sowohl laufende als auch mögliche zukünftige Leistungen. Selbst wenn kurz nach der Kündigung eine Berufsunfähigkeit eintritt, gibt es keinen Rentenanspruch. Der Schutz endet mit dem Kündigungstermin vollständig und ohne Übergangsphase. Viele Versicherte unterschätzen dieses Risiko und setzen damit ihre finanzielle Zukunft aufs Spiel, insbesondere wenn der eigene Beruf körperliche oder psychische Belastungen mit sich bringt.

Kein Rückkaufswert bei vielen Tarifen

Bei klassischen BU-Verträgen handelt es sich nicht um Sparprodukte, weshalb in den meisten Fällen kein Rückkaufswert ausgezahlt wird. Das bedeutet, dass bereits eingezahlte Beiträge verloren sind, wenn man die berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte. Besonders bei langjährigen Verträgen kann dies zu einem finanziellen Nachteil führen, da über Jahre hinweg erhebliche Beträge eingezahlt wurden, ohne dass am Ende eine Auszahlung erfolgt. Nur wenige Tarife enthalten Komponenten, die einen Rückfluss der Beiträge vorsehen – in der Regel jedoch nur bei kombinierten Produkten.

Wie kann ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen?

Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte, sei es aufgrund finanzieller Belastungen oder wegen eines attraktiveren Tarifs bei einem anderen Anbieter, kann dies grundsätzlich tun. Vor einer Kündigung lohnt es sich jedoch, Alternativen zu prüfen, da dieser Schutz im Ernstfall eine wichtige Rolle spielt. Wenn jedoch feststeht, dass der Vertrag beendet werden soll, kommen zwei Vorgehensweisen infrage.

Ordentliche Kündigung

Die ordentliche Kündigung ist der gängigste Weg, um eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen. Dabei muss die im Vertrag festgelegte Kündigungsfrist eingehalten werden. Sie beträgt in vielen Fällen einen bis drei Monate vor Ablauf der Vertragsperiode, wobei sich die genaue Frist aus den Versicherungsbedingungen ergibt.

Damit die Kündigung rechtswirksam ist, muss sie in schriftlicher Form erfolgen. Empfehlenswert ist ein Versand per Einschreiben, um im Streitfall einen Beleg über den Zugang zu haben.

Ein wichtiger Hinweis: Der Schutz endet erst, wenn der Versicherer die Kündigung akzeptiert hat. Wer in einen neuen Tarif wechseln möchte, sollte die neue Absicherung vorab abschließen, da es sonst zu einer riskanten Schutzlücke kommen kann.

Außerordentliche Kündigung

Unter bestimmten Umständen kann man die Berufsunfähigkeitsversicherung außerordentlich kündigen. Diese Möglichkeit steht nur in speziellen Konstellationen offen, beispielsweise wenn:

  • der Versicherer Leistungen zum Nachteil des Kunden streicht oder verändert,
  • der Versicherer die Beiträge erhöht, ohne dabei die abgesicherte Leistung zu verbessern.

In diesen Fällen entsteht ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt in der Regel einen Monat ab Erhalt der Mitteilung des Versicherers über die Vertragsänderung.

Eine außerordentliche Kündigung bietet den Vorteil, dass der Versicherte schneller aus dem bestehenden Vertrag herauskommt, ohne bis zum Ende der Vertragsperiode warten zu müssen. Dennoch sollte auch hier gut überlegt werden, ob ein neuer Schutz bereits vorhanden ist.

Alternativen zur Kündigung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer darüber nachdenkt, seine Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen, sollte sich bewusst sein, dass dadurch ein wichtiger Schutz aufgegeben wird. Eine Kündigung kann sinnvoll erscheinen, wenn Beiträge belastend werden oder andere Prioritäten entstehen. Dennoch gibt es verschiedene Wege, die Versicherung fortzuführen, ohne den kompletten Schutz zu verlieren. Bevor man eine berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte, lohnt es sich, folgende Alternativen zu prüfen.

Berufsunfähigkeitsversicherung beitragsfrei stellen

Wenn die monatlichen Beiträge vorübergehend nicht tragbar sind, besteht die Möglichkeit, den Vertrag auf beitragsfrei umzustellen. In dieser Phase werden keine Beiträge gezahlt, jedoch bleibt ein eingeschränkter Versicherungsanspruch bestehen. Der Schutz ist nicht so hoch wie im ursprünglichen Vertrag, aber im Ernstfall kann zumindest eine reduzierte BU-Rente ausgezahlt werden.

Nach Ablauf der beitragsfreien Zeit kann der Vertrag häufig ohne erneute Gesundheitsprüfung reaktiviert werden. Sollte während dieser Phase eine Berufsunfähigkeit eintreten, richtet sich die Höhe der Leistung nach den bisher eingezahlten Beiträgen. Wer nur wenig angespart hat, muss mit einer deutlich geringeren Auszahlung rechnen. Um spätere Leistungslücken zu vermeiden, kann man eventuell bei Wiederaufnahme des Vertrages höhere Beiträge vereinbaren, was jedoch individuell mit dem Versicherer abgestimmt werden muss.

Versicherungsbeiträge stunden

Für Versicherte, die finanziell temporär unter Druck geraten und dennoch ihren Schutz behalten möchten, kann eine Stundung hilfreich sein. Während der vereinbarten Zeitspanne wird keine Zahlung fällig, die gestundeten Beträge müssen jedoch später vollständig nachgezahlt werden. Ein Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass die Gesundheitsprüfung nicht erneut durchlaufen werden muss. Sollte während der Stundungsphase eine Berufsunfähigkeit eintreten, muss damit gerechnet werden, dass nur eine verringerte Leistung gewährt wird.

Bestimmte Vertragsoptionen kündigen

Bei vielen BU-Verträgen sind zusätzliche Bausteine integriert, die sich auf die Beitragshöhe auswirken. Dazu können etwa Unfallzusatzversicherungen oder Dynamikklauseln gehören. Wenn diese Bausteine nicht zwingend benötigt werden, kann deren Kündigung den Beitrag spürbar reduzieren, ohne den zentralen Schutz zu verlieren. Eine Absprache mit dem Versicherer ist notwendig, um zu prüfen, welche Teile streichbar sind.

Tarifwechsel prüfen

Manchmal besteht die Möglichkeit, innerhalb des bestehenden Versicherers in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Da sich Produkte über die Jahre verändern, kann ein neu angebotener Tarif bei gleichen Leistungen weniger kosten oder zu besseren Bedingungen abgeschlossen werden. Ein Tarifwechsel ist daher eine sinnvolle Option für alle, die ihre berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchten, aber den Schutz nicht vollständig verlieren wollen.

Häufige Fragen zum Thema „Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen

Wann kann ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen?

Eine ordentliche Kündigung ist in der Regel zum Ende der Versicherungsperiode möglich, meist einmal pro Jahr. Die Frist liegt oft bei ein bis drei Monaten vor Ablauf des Versicherungsjahres. Der genaue Termin steht in den Vertragsbedingungen. Die Kündigung sollte schriftlich erfolgen und rechtzeitig beim Versicherer ankommen.

Welche Folgen hat es, wenn ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung kündige?

Mit der Kündigung entfällt der Anspruch auf eine BU-Rente bei Berufsunfähigkeit. Tritt später ein Leistungsfall ein, besteht kein Schutz mehr. Für einen neuen Vertrag kann eine erneute Gesundheitsprüfung nötig sein, die zu höheren Beiträgen oder Ausschlüssen führt. Bereits gezahlte Beiträge werden in den meisten Tarifen nicht erstattet.

Kann ich meine berufsunfähigkeitsversicherung kündigen, wenn mir die Beiträge zu hoch werden?

Ja, das ist möglich, aber oft nicht die beste erste Option. Häufig lassen sich Alternativen mit dem Versicherer vereinbaren, zum Beispiel eine Reduzierung der versicherten Rente, eine zeitweise Beitragsfreistellung oder ein Tarif mit geringerer Leistung. So bleibt ein Grundschutz bestehen, ohne dass der Vertrag komplett endet.

Gibt es Situationen, in denen ich außerordentlich kündigen darf?

Ein Sonderkündigungsrecht besteht meist dann, wenn der Versicherer die Beiträge erhöht, ohne die Leistung zu verbessern, oder wenn Vertragsbestandteile zu Ihrem Nachteil geändert werden. In solchen Fällen läuft oft eine Frist von einem Monat ab Zugang des Änderungs­schreibens. Die genauen Voraussetzungen stehen im Vertrag.

Macht eine Kündigung Sinn, wenn ich bereits gesundheitliche Probleme habe?

Wer bereits Vorerkrankungen hat, sollte besonders vorsichtig sein. Nach einer Kündigung kann es schwer sein, einen neuen Vertrag zu bekommen. Viele Gesellschaften lehnen Anträge mit relevanten Vorerkrankungen ab oder bieten nur sehr eingeschränkten Schutz an. In solchen Fällen ist eine Anpassung des bestehenden Vertrags meist sinnvoller als eine komplette Kündigung.

Was ist der Unterschied zwischen Kündigung und Beitragsfreistellung?

Bei einer Kündigung endet der Vertrag vollständig, und alle Leistungsansprüche fallen weg. Bei einer Beitragsfreistellung zahlen Sie vorübergehend oder dauerhaft keine Beiträge mehr, der Vertrag bleibt jedoch in reduzierter Form bestehen. Die versicherte Rente sinkt dann je nach Tarif deutlich, aber ein Teil des Schutzes bleibt erhalten.

Muss ich beim berufsunfähigkeitsversicherung kündigen Steuern oder Gebühren beachten?

In den meisten Fällen entstehen bei einer einfachen Kündigung keine gesonderten Abgaben. Entscheidend ist eher, ob der Vertrag eine Kapital­komponente enthält und wie diese steuerlich behandelt wird. Wer unsicher ist, sollte den Vertrag mit einer fachkundigen Person durchgehen, etwa mit einem Steuerberater oder einer unabhängigen Beratungsstelle.

Wie formuliere ich eine wirksame Kündigung?

Ein Kündigungsschreiben sollte mindestens folgende Angaben enthalten: Name, Anschrift, Versicherungsnummer, eindeutige Erklärung, dass Sie die berufsunfähigkeitsversicherung kündigen, sowie das gewünschte Kündigungsdatum. Datum und Unterschrift gehören ebenfalls dazu. Empfehlenswert ist der Versand per Einschreiben, damit Sie einen Nachweis über den Eingang haben.

Fazit

Die Entscheidung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen, sollte gut überlegt sein. Sie ist rechtlich möglich, wenn Du die entsprechenden Fristen und Formen einhältst. Allerdings verliertst Du damit einen wichtigen Schutz für den Fall, dass Du wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten kannst. In vielen Fällen lohnt es sich, vorher Alternativen wie eine Beitragsfreistellung oder einen Tarifwechsel zu prüfen. Nur wenn Du gut abgesichert bist — etwa durch eine bessere neue Police —, ist eine Kündigung sinnvoll.

Mehr erfahren:

Aktie:

Linda James
Linda James
Ich bin Linda James, Expertin für Versicherungen in Deutschland. Ich biete fundiertes Wissen und Beratung zu Kfz-, Haus- und Krankenversicherungen und unterstütze Privatpersonen sowie Familien bei der passenden Absicherung für...