Berufsunfähigkeitsversicherung ohne gesundheitsfragen

Die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung verlangt in der Regel umfangreiche Gesundheitsangaben. Für Menschen mit Vorerkrankungen ist die Absicherung daher oft schwer zu bekommen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen bietet einen alternativen Zugang zu einer finanziellen Absicherung im Krankheitsfall. Je nach Tarif und Anbieter gelten jedoch Einschränkungen bei Leistungen und Versicherungssummen.

Gibt es eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen wird in Deutschland derzeit nicht angeboten. Eine medizinische Prüfung vor Vertragsabschluss gehört bei allen Anbietern zum Verfahren.

Warum bestehen Versicherer auf Gesundheitsfragen?

Anhand dieser Angaben schätzt der Versicherer das persönliche Risiko ein, berufsunfähig zu werden. Dabei spielen nicht nur frühere Erkrankungen eine Rolle, sondern auch individuelle Merkmale wie:

  • Körpergröße und Gewicht
  • Lebensstil, etwa Raucherstatus oder riskante Hobbys
  • bestehende gesundheitliche Einschränkungen

Vorbelastungen können zu höheren Beiträgen oder zu Ausschlüssen bestimmter Leistungen führen. Ohne diese Risikoabfrage würde eine faire Kalkulation kaum gelingen und die Beiträge für alle Versicherten lägen deutlich höher.

Gibt es irgendwelche besonderen Ausnahmen?

Einige Versicherer bieten Verträge mit reduzierten Gesundheitsfragen an. Solche Angebote richten sich häufig an bestimmte Gruppen, etwa an Angehörige freier Berufe oder an jüngere Personen bis etwa Mitte dreißig. Manchmal sind diese Aktionen zeitlich begrenzt.

Darüber hinaus existieren Tarife mit einer abgespeckten Form der Berufsunfähigkeitsabsicherung. Diese Modelle dienen weniger der Deckung des Einkommens, sondern sichern im Leistungsfall die Beiträge für private Altersvorsorge oder andere Verträge. Für diese Varianten werden beim Abschluss meist keine Gesundheitsfragen gestellt, dafür gilt oft eine Wartezeit von rund drei Jahren.

Berufsunfähigkeitsversicherung über den Arbeitgeber

In großen Unternehmen und Konzernen gibt es häufig Kollektivverträge oder sogenannte Dienstobliegenheitserklärungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Dabei werden die Beschäftigten gemeinsam versichert. Die Gesundheitsprüfung fällt in diesen Fällen meist stark reduziert aus und umfasst nur wenige Fragen, die sich oft problemlos mit „Nein“ beantworten lassen.

Mögliche Nachteile einer betrieblichen Berufsunfähigkeitsversicherung:

  • Geringe Wahlmöglichkeiten: Versicherer, Laufzeit, Dynamik der Leistungen und andere Vertragsbedingungen werden durch den Arbeitgeber bestimmt.
  • Bindung an das Arbeitsverhältnis: Beim Wechsel des Arbeitgebers kann der Vertrag häufig nicht privat fortgeführt werden, der Versicherungsschutz endet dann.
  • Teurerer Abschluss im Nachhinein: Wer später eine eigene Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, zahlt aufgrund des höheren Alters und eines möglichen schlechteren Gesundheitszustands oft deutlich höhere Beiträge.

Berufsunfähigkeitsversicherung ohne gesundheitsfragen

Was sind vereinfachte Gesundheitsfragen?

Bei einer verkürzten Gesundheitsprüfung verzichten Versicherer auf detaillierte Angaben zur medizinischen Vorgeschichte. Anstelle vieler Fragen zu Behandlungen, Medikamenten oder Operationen werden nur wenige allgemeine Punkte abgefragt, etwa:

  • „Sind Sie derzeit arbeitsunfähig?“
  • „Beziehen Sie eine Erwerbsminderungsrente?“

Vorteilhaft ist der einfache und schnelle Antrag. Auch Personen mit leichteren Vorerkrankungen haben häufig bessere Chancen auf eine Absicherung.

Nachteilig ist, dass der Leistungsumfang begrenzt sein kann, zum Beispiel durch eine niedrigere Berufsunfähigkeitsrente, eine kürzere Vertragsdauer oder Einschränkungen bei späteren Anpassungen des Versicherungsschutzes.

Kann man trotz Vorerkrankung eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Auch mit gesundheitlichen Vorbelastungen bestehen Chancen auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sinnvoll ist die Unterstützung durch einen spezialisierten Makler oder Berater. Ein Abschluss ohne fachkundige Hilfe kann zu dauerhaften Nachteilen führen.

Ein geeignetes Mittel ist die anonyme Risikovoranfrage über den Makler. Ein seriöser Vermittler wird dieses Vorgehen empfehlen, sobald gesundheitliche Einschränkungen bestehen. Direkte Anfragen bei Versicherern sollten vermieden werden. Wird ein Antrag abgelehnt, kann der Vorgang in der sogenannten HIS-Wagnisdatei vermerkt werden. Diese Datei dient Versicherungsunternehmen als Informationsquelle und kann spätere Anträge beeinträchtigen.

Bei der anonymisierten Risikovoranfrage klärt der Makler, zu welchen Konditionen ein Versicherer bereit wäre, eine Absicherung anzubieten. Persönliche Angaben wie Name, Anschrift und Geburtsdatum werden dabei geschwärzt. Die Anfrage wird nicht gespeichert und bleibt ohne Folgen für zukünftige Anträge.

Versicherer können Anträge annehmen, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Häufig wird entweder ein Risikozuschlag erhoben oder einzelne Erkrankungen werden vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Bei einem Risikozuschlag steigt der Beitrag, weil der Versicherer ein erhöhtes Ausfallrisiko sieht. Beim Leistungsausschluss werden bestimmte Körperregionen oder Diagnosen nicht abgesichert. Nach einem Bandscheibenvorfall wären zum Beispiel sämtliche Beschwerden der Wirbelsäule auch künftig ausgeschlossen.

Zwischen beiden Varianten gilt der Risikozuschlag meist als die mildere Lösung. Zwar fallen höhere Beiträge an, allerdings bleibt der Schutz gegen Berufsunfähigkeit in voller Breite bestehen. Nach § 41 Satz 1 VVG besteht das Recht, eine Reduzierung des Zuschlags zu verlangen, sobald eine Erkrankung abgeklungen ist. Dafür ist ein ärztliches Gutachten nötig. Ein Makler kann bei der Kommunikation mit dem Versicherer unterstützen. Weigert sich der Anbieter, kann juristische Beratung hilfreich sein und eine Rechtsschutzversicherung von Vorteil sein.

Lässt sich der Versicherer nur auf einen Leistungsausschluss ein, sollte vereinbart werden, dass dieser unter bestimmten Voraussetzungen aufgehoben wird, etwa nach ärztlich bestätigter Beschwerdefreiheit. Solche Regelungen lassen sich im Rahmen der Vertragsverhandlung festhalten.

Berufsunfähigkeitsversicherung ohne gesundheitsfragen

Welche Vorerkrankungen sind relevant?

Eines vorweg: Vorerkrankungen schließen eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht pauschal aus. Viele Diagnosen werden von Versicherern ohne größere Hürden akzeptiert.

Einige Erkrankungen können den Abschluss jedoch erschweren. Je nach Befund kann der Schutz mit Zuschlag oder mit Ausschlüssen möglich sein. Es gibt aber auch Fälle, in denen Anbieter gar keinen Vertrag anbieten. Typische Erkrankungen, bei denen dies auftreten kann, sind unter anderem:

  • Rheuma
  • schwere Herzerkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Herzschwäche)
  • HIV
  • Tumorerkrankungen
  • Multiple Sklerose
  • Diabetes mellitus
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn)
  • Autoimmunerkrankungen
  • bestehende psychische Erkrankungen

Ob ein Abschluss trotz solcher Vorerkrankungen möglich ist, solltest Du gemeinsam mit einem spezialisierten Makler oder Berater klären. Er kann prüfen, welche Anbieter infrage kommen und ob eine anonyme Risikovoranfrage sinnvoll ist. Dadurch lassen sich realistische Chancen auf einen BU-Vertrag ausloten, ohne dass persönliche Daten direkt bei Versicherern landen.

Die folgende Übersicht zeigt ein Beispiel, wie Versicherer typischerweise die Krankheiten einstufen können:

BU meist ohne Einschränkungen BU mit Zuschlag oder Leistungsausschluss BU meist abgelehnt
Leichte Migräne Bandscheibenvorfall Multiple Sklerose
Leichtes Asthma Schilddrüsenerkrankung (z. B. Hashimoto) Herzinfarkt
Allergien (z. B. gegen Tierhaare) Hörsturz Krebserkrankung
Zahnwurzelentzündung Neurodermitis HIV
Morbus Crohn (mittelschwer) Schwere psychische Erkrankungen
Bluthochdruck Diabetes mellitus (schwere Fälle)

Typische Gesundheitsfragen der Versicherer

Folgende Punkte werden bei der Gesundheitsprüfung typischerweise berücksichtigt:

  • frühere Erkrankungen aus den vergangenen fünf Jahren bei ambulanter Behandlung und aus den letzten zehn Jahren bei stationärem Aufenthalt
  • Körpergröße und Gewicht (der BMI kann Einfluss auf den Beitrag haben)
  • psychische Leiden wie Depressionen oder Burnout
  • gefährliche Freizeitaktivitäten, etwa Tauchen, Reiten oder Motorsport
  • berufliches Risiko, zum Beispiel körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten oder erhöhte Unfallgefahr

Auch das Einkommen wird abgefragt, da die Berufsunfähigkeitsrente meist nur bis zu etwa 80 Prozent des monatlichen Nettogehalts abgesichert werden kann. Die mögliche Rentenhöhe hängt vom jeweiligen Versicherer und vom gewählten Tarif ab.

Hinweis: Form und Umfang der Fragen unterscheiden sich je nach Anbieter. Ebenso variieren die Bewertungen der Angaben. Ein sorgfältiger Vergleich mehrerer Angebote ist daher sinnvoll.

Wie wirken sich Beruf und Hobby auf die Berufsunfähigkeitsversicherung aus?

Versicherer ordnen Berufe unterschiedlichen Risikogruppen oder Gefahrenklassen zu. Maßgeblich ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand im Laufe des Arbeitslebens berufsunfähig wird.

Ein mögliches Schema sieht so aus:

  • Klasse A (niedriges Risiko): überwiegend Schreibtischtätigkeiten, Ärzte ohne operative Aufgaben, Apotheker
  • Klasse B: kaufmännische Berufe, redaktionelle Tätigkeiten
  • Klasse C: Lehrer, Außendienstmitarbeiter, Pflegekräfte
  • Klasse D: Bauhandwerk, Dachdeckerei, Schreinerei, Schornsteinfeger
  • Klasse E (sehr hohes Risiko): Tätigkeiten mit starker körperlicher Belastung oder Gefahrenmomenten, etwa Sprengmeister oder Profisportler

Je nach Versicherer kann die Einstufung abweichen. Berufe mit höherem Risiko sind häufig nur gegen Zuschlag versicherbar. Der Beitrag steigt mit der Risikoeinschätzung. Hinzu kommen weitere Einflussfaktoren wie Alter beim Vertragsbeginn, Laufzeit, gewünschte Rentenhöhe sowie der Umfang der versicherten Leistungen.

Neben dem beruflichen Risiko können auch Freizeitaktivitäten Einfluss auf den Antrag haben. Bestimmte Hobbys wie Tauchen, Klettern oder Motorsport gelten als verletzungsanfällig. In solchen Fällen können Versicherer Zuschläge verlangen, einzelne Risiken aus dem Vertrag ausklammern oder den Antrag ablehnen.

Unproblematisch Mit Zuschlag / Ausschluss Nicht versicherbar
Schwimmen Gerätetauchen > 40 m Kickboxen Wettkampf (Vollkontakt)
Marathon Bergsteigen > 5.000 m Base-Jumping
Radfahren Fallschirmspringen Motorsportrennen
Fußball Klettersteig ab Grad D

Wie man erfolgreich eine Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt?

Mit einer guten Vorbereitung lassen sich die Chancen auf eine positive BU-Annahme deutlich erhöhen. Ein systematisches Vorgehen hilft dabei.

Unterlagen zusammentragen

Vor der Antragstellung empfiehlt es sich, eine Versichertenauskunft der Krankenkasse einzuholen. Dort sind Arztbesuche und verordnete Medikamente der letzten Jahre aufgeführt. Sinnvoll ist auch, Akten der behandelnden Praxen aus den letzten fünf Jahren anzufordern.

Risiko vorab einschätzen lassen

Ein Antrag sollte nicht ohne fachliche Hilfe und nicht mit vollständigen persönlichen Daten gestellt werden. Wird eine BU abgelehnt, kann dies in der HIS-Datei (Hinweis- und Informationssystem) vermerkt werden. Andere Versicherer sehen dann, dass bereits ein Antrag gescheitert ist, was spätere Anfragen erschwert. Fachleute können die Prüfung anonym durchführen und ermitteln, welche Anbieter grundsätzlich in Betracht kommen.

Beratung einholen

Versicherungsexperten begleiten die Auswahl des Tarifs, kennen die Unterschiede zwischen den Angeboten und wissen, welche Gesellschaften bei bestimmten Gesundheitsangaben eher bereit sind, einen Vertrag zu schließen. Auf diese Weise lässt sich rasch feststellen, welche Berufsunfähigkeitsversicherung zur eigenen Ausgangslage passt.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa bei bestehenden Erkrankungen oder wenn Fristen für reguläre Tarife bereits abgelaufen sind. Vor einem Abschluss lohnt sich ein genauer Blick auf Bedingungen, Wartezeiten und Leistungsgrenzen, um die eigene Situation realistisch einzuschätzen

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsprüfung?

Eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung ohne medizinische Prüfung wird in Deutschland nicht angeboten. Eine Ausnahme können Kollektivverträge in größeren Unternehmen sein, bei denen Beschäftigte gemeinsam abgesichert werden. Die Konditionen fallen dort jedoch oft weniger günstig aus als bei individuellen Verträgen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Gesundheitsfragen und Gesundheitsprüfung?

Beide Begriffe gehören zur Risikoeinstufung durch den Versicherer. Um eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, beantwortet der Antragsteller Gesundheitsfragen. Auf Basis dieser Angaben beurteilt der Versicherer das individuelle Risiko und entscheidet über die Annahme des Vertrags.

Gibt es eine Verjährungsfrist bei Gesundheitsfragen?

Ja. Werden Gesundheitsfragen versehentlich oder fahrlässig falsch beantwortet, gilt meist eine Frist von fünf Jahren. Danach kann der Versicherer den Vertrag weder ändern noch kündigen. Bei absichtlicher Falschangabe gelten andere Regelungen.

Ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen eine Alternative zur BU?

Auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung wird in der Regel nicht ohne Gesundheitsfragen angeboten. Ihr Leistungsumfang ist geringer als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie kann jedoch für Personen infrage kommen, die aus medizinischen oder finanziellen Gründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten.

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Henri Müller
Henri Müller
Als unabhängiger Versicherungsexperte informiere und begleite ich Menschen dabei, ihre Absicherung verständlich, kompetent und individuell zu gestalten – ganz gleich, ob es um Krankenversicherung, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit oder andere Versicherungsformen geht....