Wildunfall Versicherung – Schutz bei Wildunfällen im Straßenverkehr

Ein Wildunfall kann schnell teuer werden: Ein Zusammenstoß mit einem Reh, Wildschwein oder anderem Wildtier führt nicht nur zu Schäden am Fahrzeug, sondern oft auch zu Stress und Unsicherheit für Fahrer und Insassen. Viele Autofahrer sind sich unsicher, welcher Versicherungsschutz dafür greift und welche Kosten die eigene Versicherung übernimmt.

In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige zur Wildunfall Versicherung – von der gesetzlichen Grundlage über die verschiedenen Versicherungsarten bis zu konkreten Tipps zum Verhalten nach einem Wildunfall.

Warum ist eine Wildunfall Versicherung so wichtig?

Eine Wildunfall Versicherung ist für viele Autofahrer ein zentraler Baustein, weil Wildunfälle zu den häufigsten Unfallarten im Straßenverkehr zählen. Das Risiko steigt besonders auf Landstraßen, an Waldrändern sowie in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. In der Dämmerung sind Tiere oft schwer zu erkennen, und selbst bei angepasster Geschwindigkeit bleibt die Reaktionszeit manchmal zu kurz.

Die Folgen eines Zusammenstoßes mit Wild können deutlich teurer sein, als viele vermuten. Häufig entstehen starke Blechschäden an Stoßfänger, Motorhaube, Kotflügel oder Frontscheinwerfern. Je nach Aufprall kann auch der Kühler beschädigt werden, was zu Folgeschäden an der Technik führt. Bei modernen Fahrzeugen kommen oft Sensoren, Kameras und Assistenzsysteme im Frontbereich hinzu – Reparaturen werden dadurch schnell kostenintensiv. In schweren Fällen können sogar Motor- oder Fahrwerkskomponenten betroffen sein, was den Aufwand in der Werkstatt deutlich erhöht.

Nicht nur das Auto ist gefährdet: Bei einem Wildunfall kann es zu Verletzungen der Insassen kommen, etwa durch den Aufprall, eine abrupte Ausweichbewegung oder den Kontakt mit Airbags. Gerade auf engen Landstraßen besteht bei Ausweichmanövern ein hohes Risiko, mit Gegenverkehr zusammenzustoßen oder von der Fahrbahn abzukommen.

Ohne passenden Versicherungsschutz müssen Fahrzeughalter viele Kosten selbst tragen. Eine Wildunfall Versicherung im Rahmen der Teilkasko oder Vollkasko übernimmt je nach Vertrag die Reparaturkosten oder leistet bei Totalschaden eine Entschädigung. Wer regelmäßig in wildreichen Regionen fährt, sollte beim Versicherungsschutz genau prüfen, ob nur bestimmte Tierarten (z. B. Haarwild) oder auch Unfälle mit anderen Tieren abgesichert sind. So lässt sich das finanzielle Risiko nach einem Wildunfall deutlich reduzieren.

Welche Versicherung kommt bei einem Wildunfall für den Schaden auf?

Nach einem Wildunfall übernimmt in den meisten Fällen die Teilkaskoversicherung die entstehenden Reparaturkosten. Bei älteren oder preisgünstigen Verträgen ist der Leistungsumfang jedoch häufig eingeschränkt. Dort besteht Versicherungsschutz oft nur bei Kollisionen mit sogenanntem Haarwild. Zusammenstöße mit anderen Tieren sind in solchen Tarifen nicht immer abgesichert.

Nach den Vorgaben des Bundesjagdschutzrechts umfasst der Begriff Haarwild eine Vielzahl von Wildtieren. Dazu gehören unter anderem:

  • Wisent

  • Elch

  • Rotwild

  • Damwild

  • Sikawild

  • Rehwild

  • Gamswild

  • Steinwild

  • Muffelwild

  • Schwarzwild

  • Feldhase

  • Schneehase

  • Wildkaninchen

  • Murmeltier

  • Wildkatze

  • Luchs

  • Fuchs

  • Steinmarder

  • Baummarder

  • Iltis

  • Hermelin

  • Mauswiesel

  • Dachs

  • Fischotter

  • Seehund

Ob ein Schaden von der Versicherung übernommen wird, hängt davon ab, ob der Versicherungsvertrag den Schutz ausschließlich auf Haarwild beschränkt oder auch Unfälle mit anderen Tierarten einschließt.

Welche Versicherungen greifen bei einem Wildunfall?

Teilkaskoversicherung – Leistungen bei einem Wildunfall

Bei einem Wildunfall übernimmt in vielen Fällen die Teilkaskoversicherung die Kosten für entstandene Schäden. Voraussetzung ist jedoch häufig, dass der Versicherungsvertrag ausschließlich Kollisionen mit Haarwild absichert. Dazu zählen etwa Zusammenstöße mit Rehen, Wildschweinen, Füchsen oder Hasen. Kommt es hingegen zu einem Unfall mit einer Kuh, einer Katze oder einem Huhn, besteht in solchen Tarifen meist kein Anspruch auf Leistung.

Haus- und Nutztiere haben in der Regel einen Halter. Ist dieser feststellbar, wird der Schaden nicht über die Wildunfall Versicherung, sondern über die private Haftpflichtversicherung oder die Tierhalterhaftpflicht des Besitzers reguliert.

Was bedeutet die erweiterte Wildschadenregelung?

Leistungsstärkere Tarife enthalten häufig eine sogenannte erweiterte Wildschadenregelung. Diese schließt nicht nur Haarwild ein, sondern auch Schäden durch andere Wildtiere sowie durch Haus- und Nutztiere.

Ob und in welchem Umfang dieser Schutz greift, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Ein genauer Blick in die Versicherungsunterlagen zeigt, welche Tierarten eingeschlossen sind und welche ausgeschlossen bleiben.

Welche Kosten übernimmt die Teilkasko bei einem Wildunfall?

Bei Kollisionen mit kleineren Tieren kann es vorkommen, dass der Schaden unterhalb der vereinbarten Selbstbeteiligung liegt. In solchen Fällen trägt der Fahrzeughalter die Reparaturkosten selbst. Die Selbstbeteiligung beträgt häufig 150 Euro.

Unfälle mit größerem Wild führen dagegen meist zu deutlich höheren Schäden. Diese liegen in vielen Fällen über der Selbstbeteiligung. Nach Angaben des GDV lag die durchschnittliche Schadenshöhe bei Wildunfällen im Jahr 2023 bei rund 3.850 Euro.

Hat ein Wildunfall Auswirkungen auf die Schadenfreiheitsklasse?

Ein gemeldeter Wildschaden hat bei der Teilkaskoversicherung keine Auswirkungen auf die Schadenfreiheitsklasse. Der Versicherungsbeitrag bleibt daher unverändert.

Wird das Fahrzeug als wirtschaftlicher Totalschaden eingestuft, erfolgt eine Entschädigung in Höhe des Wiederbeschaffungswertes abzüglich des Restwerts. Hochwertige Tarife erstatten in einem bestimmten Zeitraum – häufig zwischen sechs und 24 Monaten – den Neupreis eines Neuwagens oder den ursprünglichen Kaufpreis eines Gebrauchtwagens.

Vollkaskoschutz bei einem Wildunfall

Die Vollkaskoversicherung übernimmt Schäden nach einem Wildunfall unabhängig davon, um welche Tierart es sich handelt. Der Versicherungsschutz greift auch dann, wenn ein Tier ein abgestelltes Fahrzeug beschädigt. Im Unterschied dazu gilt die Teilkaskoversicherung ausschließlich für Wildschäden, die während der Fahrt entstehen.

Führt ein Wildschaden in der Vollkasko zu einer Änderung der Schadenfreiheitsklasse?

Wird ein Wildschaden über die Vollkasko reguliert, wirkt sich dies in der Regel auf die Schadenfreiheitsklasse aus. Die Folge ist eine Rückstufung, wodurch sich der Beitrag zur Kfz-Versicherung erhöht. Im Gegensatz dazu bleibt die Schadenfreiheitsklasse bei der Teilkasko unverändert.

In welchen Fällen besteht kein Versicherungsschutz bei Wildschäden?

Nicht jeder Kontakt mit Wild endet in einer direkten Kollision. Weicht der Fahrer einem Tier aus und kommt es dabei zu einem Schaden am Fahrzeug, fehlt häufig der eindeutige Nachweis eines Wildunfalls. In solchen Situationen übernehmen Teilkaskotarife den Schaden meist nicht, da kein Zusammenstoß vorliegt. Auch bei der Vollkasko kann es ohne ausreichende Belege, etwa Zeugenaussagen, zu Einschränkungen bei der Schadenregulierung kommen. Wird der Schaden dennoch über die Vollkasko abgewickelt, führt dies in der Regel zu einem höheren Versicherungsbeitrag.

Wie lässt sich das Risiko eines Wildunfalls reduzieren?

Ein vorausschauendes Fahrverhalten kann helfen, einen Wildunfall zu vermeiden. Besonders auf Landstraßen und in der Nähe von Wäldern sollten Fahrer die Umgebung aufmerksam beobachten und jederzeit mit querenden Tieren rechnen. Wer die Geschwindigkeit anpasst, bleibt handlungsfähig und kann schneller reagieren.

Wild tritt oft sehr plötzlich auf und befindet sich nicht selten nur wenige Meter vor dem Fahrzeug. Häufig bewegen sich die Tiere in Gruppen, sodass nach dem ersten Tier weitere folgen können. Bei hohem Tempo reicht der Bremsweg meist nicht aus. Ist ein Zusammenstoß mit einem größeren Tier nicht mehr zu verhindern, gilt eine kräftige Bremsung bei festem Halt am Lenkrad als die sicherere Lösung. Eine passende Wildunfall Versicherung schützt vor hohen Kosten, falls es dennoch zu einem Schaden kommt.

Verhalten nach einem Wildunfall – Schritt für Schritt

  • An der Unfallstelle anhalten: Bleiben Sie nach dem Zusammenstoß nach Möglichkeit vor Ort stehen. Wer nach einem Unfall mit einem verletzten oder getöteten Wildtier einfach weiterfährt, kann gegen geltende Tierschutzvorschriften verstoßen und mit einer Geldstrafe belegt werden. In einigen Regionen besteht eine Pflicht zur Meldung von Wildunfällen. Erst nach einer ordnungsgemäßen Meldung kann die Versicherung den Schaden regulieren.
  • Hilfe für verletzte Personen organisieren: Gibt es Verletzte, setzen Sie sofort einen Notruf über 112 ab. Leisten Sie Erste Hilfe, soweit es Ihnen möglich ist, bis der Rettungsdienst eintrifft.
  • Unfallstelle absichern: Schalten Sie das Warnblinklicht ein, ziehen Sie eine Warnweste an und platzieren Sie das Warndreieck gut sichtbar. Auf Landstraßen sollte der Abstand ausreichend groß sein. Achten Sie darauf, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Tote Tiere können – etwa mit Handschuhen – vom Fahrbahnrand entfernt werden, verletzte Tiere hingegen nicht anfassen, da sie unberechenbar reagieren können.
  • Polizei verständigen: Setzen Sie die Polizei über 110 in Kenntnis. Die Beamten kümmern sich um die Aufnahme des Unfalls und leiten die weiteren Schritte ein.
  • Zuständige Stelle informieren: Neben der Polizei sollte das zuständige Forstamt, der Jagdpächter oder ein Wildhüter benachrichtigt werden. Häufig übernimmt die Polizei diese Information direkt.
  • Unfall und Schaden festhalten: Halten Sie den Unfallhergang schriftlich fest und fertigen Sie Fotos vom Unfallort, vom Fahrzeug sowie vom Tier an. In vielen Fällen wird eine Wildunfallbescheinigung ausgestellt, die gemeinsam mit einem Jäger oder Polizeibeamten ausgefüllt wird. Diese Unterlagen sind für die spätere Schadenmeldung bei der Kfz-Versicherung erforderlich.
  • Weitere Beteiligte und Abschleppdienst: Sind andere Fahrzeuge beteiligt, tauschen Sie die Kontaktdaten aller Beteiligten und möglicher Zeugen aus. Ist das Auto nicht mehr fahrbereit, veranlassen Sie den Abtransport durch einen Abschleppdienst.

Wildunfall – ernsthafte Gefahr für Menschen und Fahrzeuge

Ein Wildunfall stellt nicht nur ein Risiko für das Fahrzeug dar, sondern kann auch die Sicherheit der Insassen erheblich gefährden. Schon bei mittlerem Tempo wirken beim Zusammenstoß enorme Kräfte, die häufig unterschätzt werden. Besonders auf Landstraßen und in Waldgebieten kann Wild plötzlich auf die Fahrbahn laufen – oft ohne Vorwarnung.

Bereits bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h entwickelt ein Wildschwein beim Aufprall eine Wirkung, die mit einem Gewicht von rund 3,5 Tonnen vergleichbar ist. Ein Zusammenstoß mit einem Rothirsch kann sogar einer Belastung von etwa 5 Tonnen entsprechen – ähnlich der Masse eines ausgewachsenen Elefanten. Selbst kleinere Tiere wie Damhirsche oder Rehböcke erzeugen bei einem Aufprall Kräfte, die schwere Schäden am Fahrzeug und ernsthafte Verletzungen verursachen können.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie groß die Gefahr für Autofahrer ist. Für Zweiradfahrer ist das Risiko noch höher, da sie deutlich weniger geschützt sind. Eine passende wildunfall versicherung spielt daher eine wichtige Rolle, um finanzielle Folgen nach einem Unfall abzufedern.

Mit steigender Geschwindigkeit verlängert sich der Bremsweg deutlich. Bei 80 km/h kann ein Fahrzeug unter günstigen Bedingungen noch rechtzeitig anhalten, wenn ein Tier etwa 60 Meter entfernt auf die Straße läuft. Bei 100 km/h reicht dieser Abstand jedoch nicht mehr aus – das Fahrzeug trifft das Tier mit einer hohen Restgeschwindigkeit. Bei noch höherem Tempo steigt das Risiko weiter an, da der Anhalteweg länger wird als die verfügbare Distanz.

Diese physikalischen Zusammenhänge zeigen, warum angepasstes Tempo entscheidend ist. Selbst moderne Assistenzsysteme können die Gesetze der Physik nicht außer Kraft setzen. Kommt es dennoch zu einer Kollision, hilft eine wildunfall versicherung, die Kosten für Reparaturen oder den Ersatz des Fahrzeugs abzusichern.

Häufige Fragen zur Wildunfall Versicherung

Muss nach einem Wildunfall immer die Polizei verständigt werden?

Nicht in jedem Fall ist ein Anruf bei der Polizei zwingend erforderlich. In vielen Bundesländern besteht jedoch eine Meldepflicht bei Wildunfällen. Wird ein verletztes Tier zurückgelassen, drohen rechtliche Konsequenzen. Ohne offizielle Meldung oder eine entsprechende Bescheinigung kann es zudem passieren, dass die wildunfall versicherung keine Leistungen erbringt.

Wie viel Zeit bleibt für die Meldung eines Wildunfalls bei der Versicherung?

In der Regel muss der Schaden innerhalb von fünf Tagen bei der Versicherung gemeldet werden. Empfehlenswert ist es, den Kontakt bereits innerhalb der ersten 24 Stunden aufzunehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen und notwendige Schritte frühzeitig zu klären.

Wer übernimmt die Kosten für ein Gutachten nach einem Wildunfall?

Wird der Schaden über die Teilkaskoversicherung reguliert, trägt diese auch die Kosten für das Gutachten. Gleiches gilt, wenn die Vollkaskoversicherung eintritt. Die Zuständigkeit richtet sich nach der Versicherungsart, die den Schaden abdeckt.

Welche Tiere gelten nicht als versicherter Wildunfall?

Viele Teilkaskotarife decken ausschließlich Kollisionen mit Haarwild ab, etwa mit Rehen, Hirschen, Wildschweinen oder Dachsen. Zusammenstöße mit anderen Tieren wie Vögeln, Katzen oder Nutztieren sind häufig nur dann versichert, wenn eine erweiterte Wildschadenregelung vereinbart wurde. Welche Tierarten eingeschlossen sind, unterscheidet sich je nach Vertrag.

Wirkt sich ein Wildunfall auf die Schadenfreiheitsklasse aus?

Bei der Teilkaskoversicherung bleibt der Beitrag unverändert, da es dort keine Schadenfreiheitsklasse gibt. Wird der Schaden über die Vollkasko reguliert, kommt es üblicherweise zu einer Rückstufung, was einen höheren Versicherungsbeitrag nach sich zieht.

Welche Versicherung zahlt, wenn ein parkendes Auto durch Wild beschädigt wird?

Wird ein abgestelltes Fahrzeug von einem Wildtier beschädigt, greift die Teilkasko in der Regel nicht. In diesem Fall übernimmt die Vollkaskoversicherung die Kosten für den entstandenen Schaden.

Wann müssen Fahrzeughalter die Kosten selbst tragen?

Kann ein Wildunfall nicht eindeutig belegt werden oder liegt ein eigenes Fehlverhalten vor, etwa durch zu hohe Geschwindigkeit, leistet die Teilkasko häufig nicht. In solchen Situationen übernimmt meist die Vollkasko den Schaden, abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung.

Fazit: Wildunfallversicherung richtig wählen

Ein Wildunfall kann teuer werden, wenn keine passende Versicherung besteht. Die richtige Kombination aus Haftpflicht, Teilkasko oder Vollkasko sorgt dafür, dass Schäden am Fahrzeug nach einem Wildunfall bezahlt werden und Fahrer nicht vor hohen Kosten stehen.

Mit dem passenden Versicherungsschutz können Sie sich darauf konzentrieren, sicher unterwegs zu sein – ohne im Schadensfall finanzielle Sorgen.

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Linda James
Linda James
Ich bin Linda James, Expertin für Versicherungen in Deutschland. Ich biete fundiertes Wissen und Beratung zu Kfz-, Haus- und Krankenversicherungen und unterstütze Privatpersonen sowie Familien bei der passenden Absicherung für...