Produkthaftpflichtversicherung – Schutz für Hersteller, Händler und Importeure

Wenn Produkte verkauft, hergestellt oder vertrieben werden, kann es schnell zu Haftungsrisiken kommen: Ein technisches Gerät funktioniert nicht ordnungsgemäß und verletzt einen Kunden, ein Lebensmittel verursacht eine Unverträglichkeitsreaktion oder ein Spielzeug verursacht einen Sachschaden. In solchen Fällen können hohe Schadenersatzforderungen drohen. Eine Produkthaftpflichtversicherung bietet genau hier Schutz: Sie übernimmt berechtigte Schadenersatzansprüche gegen den Versicherungsnehmer.

Was ist eine Produkthaftpflichtversicherung?

Die Produkthaftpflichtversicherung ist eine spezielle Absicherung für Unternehmen, die Produkte herstellen, vertreiben oder in den Wirtschaftskreislauf einbringen. Sie greift immer dann, wenn durch ein fehlerhaftes, unsicheres oder nicht den berechtigten Erwartungen entsprechendes Produkt ein Schaden entsteht. Dabei kann es sich sowohl um Verletzungen von Personen als auch um Beschädigungen von fremdem Eigentum handeln.

Sobald ein Produkt einen Schaden verursacht, können betroffene Kunden oder andere Dritte Schadenersatzansprüche geltend machen. Diese richten sich häufig nicht nur gegen den Hersteller, sondern auch gegen Händler oder Importeure, da alle Beteiligten entlang der Lieferkette haftbar gemacht werden können. Die Produkthaftpflichtversicherung übernimmt in solchen Fällen die finanzielle Regulierung berechtigter Forderungen und prüft zugleich, ob ein Anspruch dem Grunde und der Höhe nach gerechtfertigt ist.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Versicherung liegt darin, dass sie Unternehmen vor hohen und schwer kalkulierbaren Kosten schützt. Schadenersatzforderungen können schnell sehr hohe Beträge erreichen, etwa bei Personenschäden mit langfristigen gesundheitlichen Folgen. Ohne eine Produkthaftpflichtversicherung müssten diese Summen aus eigener Liquidität beglichen werden, was insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe eine erhebliche wirtschaftliche Belastung darstellen kann.

Für wen ist eine Produkthaftpflichtversicherung relevant?

Eine Produkthaftpflichtversicherung ist für viele Unternehmensarten sinnvoll und betrifft deutlich mehr Branchen, als auf den ersten Blick vermutet wird. Grundsätzlich sollte jedes Unternehmen über diesen Schutz nachdenken, das Produkte herstellt, verändert, weiterverarbeitet oder unter eigenem Namen verkauft. Dazu zählen unter anderem:

  • Produzierende Unternehmen, die Konsumgüter, Maschinen, technische Geräte, Bauteile oder Lebensmittel herstellen
  • Handelsbetriebe und Vertriebspartner, die Waren an Endkunden oder Geschäftskunden weitergeben
  • Importeure, die Produkte aus dem Ausland beziehen und im Inland vertreiben
  • Dienstleistungsunternehmen, deren Leistungen in direktem Zusammenhang mit einem Produkt stehen, etwa bei Montage, Installation oder Konfektionierung
  • Start-ups und junge Unternehmen, die neue Produkte entwickeln und erstmals auf den Markt bringen

Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einfache Alltagsprodukte oder komplexe technische Erzeugnisse handelt. Auch kleinere Mängel können im Schadenfall weitreichende Folgen haben. Maßgeblich ist, dass das Unternehmen rechtlich für das Produkt verantwortlich ist, das in Verkehr gebracht wird.

Produkte müssen nicht zwingend rein körperlich sein. Auch produktnahe Leistungen können eine Rolle spielen, wenn durch Fehler oder Abweichungen Schäden entstehen. Eine Produkthaftpflichtversicherung trägt dazu bei, diese Risiken finanziell abzufedern und die unternehmerische Stabilität langfristig zu sichern.

Wer benötigt eine Produkthaftpflichtversicherung?

Eine Produkthaftpflichtversicherung ist für alle Unternehmen relevant, die Waren herstellen, in Verkehr bringen oder unter eigenem Namen anbieten. Dazu zählen nicht nur klassische Produzenten, die Produkte selbst fertigen und vermarkten, wie etwa Betriebe aus dem Handwerk, der Industrie oder der Lebensmittelproduktion. Auch Unternehmen, die Erzeugnisse unter ihrer Marke verkaufen, tragen rechtlich Verantwortung für mögliche Schäden, selbst wenn die Herstellung durch Dritte erfolgt.

Im rechtlichen Sinne gelten auch Betriebe als Hersteller, die Produkte verändern, weiterverarbeiten oder in verarbeiteter Form an Kunden abgeben. Dazu gehören beispielsweise gastronomische Betriebe, da sie für die von ihnen angebotenen Speisen haften. Kommt es durch den Konsum zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, können Schadenersatzansprüche entstehen, die direkt das Unternehmen betreffen.

Eine besondere Rolle spielen sogenannte Quasihersteller. Darunter fallen Firmen, die zwar nicht selbst produzieren, aber durch Kennzeichnung, Markenaufdruck oder Verpackung den Eindruck erwecken, Hersteller des Produkts zu sein. Für den Endkunden ist häufig nicht erkennbar, wer die Ware tatsächlich gefertigt hat. In solchen Fällen kann die Haftung ebenfalls auf das auftretende Unternehmen übergehen, wodurch eine Produkthaftpflichtversicherung von großer Bedeutung ist.

Auch für Händler ist dieser Versicherungsschutz sinnvoll. Kann der eigentliche Hersteller eines Produkts nicht eindeutig festgestellt werden, etwa bei Importware oder Lieferketten über Großhändler, kann die Haftung auf den Verkäufer übergehen. Besonders bei Waren aus dem Ausland oder bei unklaren Herkunftsangaben entsteht dadurch ein erhöhtes Risiko. Eine Produkthaftpflichtversicherung hilft, finanzielle Belastungen aus solchen Haftungsfällen abzufedern und die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens zu sichern.

Wer haftet bei Produktfehlern?

In Deutschland gilt bei fehlerhaften Produkten das Prinzip der Gefährdungshaftung. Das bedeutet, dass grundsätzlich die Person oder das Unternehmen verantwortlich ist, das ein Produkt in den Verkehr bringt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein persönliches Verschulden nachgewiesen werden kann. Entscheidend ist allein, dass durch das Produkt ein Schaden entstanden ist.

Im Einzelnen ergeben sich daraus klare Haftungsregeln:

  • Hersteller haften grundsätzlich für Schäden, die durch Konstruktions-, Produktions- oder Instruktionsfehler verursacht werden. Diese Verantwortung besteht auch dann, wenn der Fehler unbeabsichtigt entstanden ist.
  • Händler können ebenfalls in die Haftung genommen werden, wenn sie den tatsächlichen Hersteller nicht eindeutig benennen können oder keine entsprechenden Angaben machen.
  • Importeure werden rechtlich wie Hersteller behandelt, sofern sie Produkte aus Nicht-EU-Staaten in den europäischen Markt einführen.

Die finanzielle Belastung aus solchen Haftungsfällen kann erheblich sein. Besonders bei Personenschäden, Folgeschäden über einen langen Zeitraum oder großflächigen Sachschäden entstehen schnell Forderungen in sechs- oder siebenstelliger Höhe. Neben Schadensersatzansprüchen können auch Kosten für Gutachten, Gerichtsverfahren oder Rückrufaktionen anfallen.

Ohne eine passende Produkthaftpflichtversicherung trägt das Unternehmen sämtliche finanziellen Folgen selbst. Eine Produkthaftpflichtversicherung übernimmt in solchen Fällen nicht nur berechtigte Schadenersatzforderungen, sondern prüft auch, ob die Ansprüche rechtlich begründet sind, und wehrt unbegründete Forderungen ab. Für Hersteller, Händler und Importeure stellt sie daher einen wichtigen Bestandteil des betrieblichen Risikomanagements dar.

Gerade bei steigenden Qualitätsanforderungen und zunehmender Produkthaftung bietet eine Produkthaftpflichtversicherung Schutz vor wirtschaftlichen Belastungen, die die Existenz eines Unternehmens gefährden können.

Arten und Umfang der Produkthaftpflichtversicherung

Klassische Produkthaftung

Die klassische Produkthaftpflichtversicherung ist in vielen Fällen bereits Bestandteil einer betrieblichen Haftpflichtversicherung und erfordert keinen separaten Vertragsabschluss. Sie greift immer dann, wenn ein fehlerhaftes Produkt Personen verletzt oder fremdes Eigentum beschädigt. Versichert sind dabei Schadenersatzansprüche, die aus Körperverletzungen oder Sachschäden entstehen und unmittelbar auf ein mangelhaftes Produkt zurückzuführen sind.

Diese Form der Produkthaftung folgt klaren gesetzlichen Vorgaben. Maßgeblich ist dabei das Produkthaftungsgesetz, das Hersteller und Inverkehrbringer verpflichtet, für Schäden einzustehen, die durch unsichere oder fehlerhafte Produkte verursacht werden. Die Versicherung übernimmt in solchen Fällen berechtigte Forderungen und schützt das Unternehmen vor hohen finanziellen Belastungen.

Beispiel für einen Schadenfall: Ein Unternehmen produziert elektrische Heizdecken, die laut Spezifikation eine maximale Temperatur nicht überschreiten dürfen. Aufgrund eines technischen Mangels erreichen einzelne Geräte deutlich höhere Temperaturen. Mehrere Kundinnen und Kunden erleiden Verbrennungen und benötigen medizinische Behandlung. Die daraus resultierenden Schadenersatzforderungen werden über die Produkthaftpflichtversicherung reguliert.

Erweiterte Produkthaftung

Die erweiterte Produkthaftpflichtversicherung ist nicht automatisch enthalten und muss gezielt vereinbart werden. Sie richtet sich insbesondere an Hersteller und Zulieferer von Bauteilen, Vorprodukten oder Rohstoffen, die nicht als Endprodukt verkauft werden, sondern in andere Waren integriert oder weiterverarbeitet werden.

Der Versicherungsschutz geht hier über Personen- und Sachschäden hinaus und bezieht auch sogenannte Vermögensschäden ein. Solche Schäden entstehen etwa dann, wenn fehlerhafte Komponenten umfangreiche Prüfungen, Rückrufaktionen oder Produktionsstopps bei weiterverarbeitenden Unternehmen auslösen. Gerade in industriellen Lieferketten können daraus erhebliche finanzielle Verluste entstehen.

Beispiel für einen Schadenfall: Ein Zulieferbetrieb liefert Bauteile an einen Hersteller technischer Geräte. Später stellt sich heraus, dass ein Teil der gelieferten Komponenten nicht den vereinbarten Qualitätsstandards entspricht. Der Abnehmer muss daraufhin zahlreiche Produkte kontrollieren und teilweise austauschen. Die dadurch entstehenden Kosten gelten als wirtschaftlicher Schaden und werden über die erweiterte Produkthaftpflichtversicherung abgesichert.

Welche Leistungen, Risiken und Schadensarten deckt eine Produkthaftpflichtversicherung ab?

Eine Produkthaftpflichtversicherung schützt Unternehmen vor finanziellen Folgen, wenn von gelieferten oder hergestellten Produkten Schäden ausgehen. Der Versicherungsschutz umfasst unterschiedliche Risikobereiche und Schadenkonstellationen, die im Geschäftsalltag auftreten können.

Produktionsbedingte Mängel und daraus resultierende Vermögensschäden

Treten Fehler während der Herstellung auf und führen diese beim Abnehmer zu wirtschaftlichen Nachteilen, greift der Versicherungsschutz. Dies betrifft etwa Situationen, in denen ein fehlerhaftes Bauteil Produktionsabläufe beim Kunden unterbricht oder Maschinen stillstehen. Die Produkthaftpflichtversicherung übernimmt in solchen Fällen den Ersatz von Vermögensschäden, die durch den Ausfall oder die eingeschränkte Nutzung entstehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Kosten im Zusammenhang mit fehlerhaften Serien oder mangelhaften Lieferchargen berücksichtigt werden.

Abweichungen von zugesagten Produkteigenschaften

Produkte werden häufig mit klar definierten Eigenschaften verkauft, die für den Einsatz beim Kunden entscheidend sind. Kommt es dazu, dass diese Merkmale aufgrund von Fertigungs-, Verarbeitungs- oder Transportfehlern nicht erfüllt werden, kann beim Abnehmer ein messbarer Schaden entstehen. Die Produkthaftpflichtversicherung greift, wenn das Produkt seine vorgesehene Funktion nicht erfüllt und dem Kunden dadurch finanzielle Einbußen entstehen.

Personen- und Sachschäden durch fehlerhafte Produkte

Verursacht ein Produkt einen Unfall oder eine Verletzung, haftet der Hersteller oder Inverkehrbringer. Die Produkthaftpflichtversicherung deckt in solchen Fällen Schadenersatzansprüche ab, die aus körperlichen Verletzungen resultieren. Gleiches gilt für Sachschäden, bei denen fremdes Eigentum beschädigt oder zerstört wird. Erstattet werden unter anderem Behandlungskosten, Schmerzensgeld sowie der Ersatz beschädigter Gegenstände.

Kosten im Zusammenhang mit Produktrückrufen

Werden nach der Auslieferung sicherheitsrelevante Mängel festgestellt, kann ein Rückruf notwendig werden, um größere Schäden zu vermeiden. Je nach Vertragsgestaltung übernimmt die Produkthaftpflichtversicherung Kosten, die im Zusammenhang mit Rückrufmaßnahmen entstehen. Dazu zählen unter anderem Aus- und Einbaukosten beim Abnehmer sowie Aufwendungen für den Austausch fehlerhafter Produkte.

Prüfung von Haftungsfragen und Abwehr unbegründeter Ansprüche

Erhebt ein Dritter Schadenersatzforderungen, prüft die Produkthaftpflichtversicherung zunächst, ob und in welchem Umfang eine Haftung besteht. Dazu gehört die rechtliche Bewertung des Schadenfalls und die Klärung der Verantwortlichkeiten. Erweisen sich Forderungen als unbegründet, sorgt der Versicherer für deren Abwehr. Entstehende Kosten für rechtliche Schritte oder gerichtliche Verfahren werden im Rahmen des Versicherungsschutzes übernommen.

Kostenübernahme bei der Produkthaftpflichtversicherung im Schadenfall

Kosten werden übernommen Kosten werden nicht übernommen
Schadenersatz gegenüber Dritten
Übernommen werden berechtigte Forderungen von Kunden oder anderen Geschädigten, wenn durch ein fehlerhaftes Produkt Personen- oder Sachschäden entstehen. Dazu zählen auch nachweisbare Vermögensschäden, die unmittelbar aus dem Schaden resultieren. Schäden ohne ursächlichen Zusammenhang
Besteht kein klarer Zusammenhang zwischen dem Schaden und dem verantwortlichen Hersteller oder Importeur, erfolgt keine Leistung aus der Produkthaftpflichtversicherung.
Folgeschäden beim Abnehmer
Entstehen beim Kunden Produktionsausfälle oder wirtschaftliche Verluste, weil ein geliefertes Produkt defekt war, können diese Kosten je nach Vertragsgestaltung abgesichert sein. Eigenschäden des Versicherungsnehmers
Kosten für die Reparatur, den Austausch oder die Neuproduktion eigener mangelhafter Produkte werden nicht ersetzt.
Personen- und Sachschäden
Die Versicherung trägt Aufwendungen für Heilbehandlungen, Schmerzensgeld sowie Ersatz beschädigter Sachen, sofern der Schaden auf einen Produktmangel zurückzuführen ist. Vorsätzlich oder wissentlich hergestellte Mängel
Schäden, die durch bewusst fehlerhafte Produktion oder absichtliches Fehlverhalten entstehen, sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.
Kosten der rechtlichen Prüfung
Die Produkthaftpflichtversicherung prüft erhobene Ansprüche, bewertet die Haftungsfrage und übernimmt Anwalts-, Gutachter- und Gerichtskosten bei berechtigten oder unbegründeten Forderungen. Strafen und Bußgelder
Geldstrafen, Bußgelder oder vergleichbare Sanktionen aufgrund gesetzlicher Verstöße werden nicht übernommen.
Abwehr unberechtigter Forderungen
Stellt sich heraus, dass eine Forderung unbegründet ist, organisiert und finanziert die Versicherung deren vollständige Zurückweisung. Reine Vertragserfüllung
Ansprüche, die lediglich auf Nichterfüllung eines Kauf- oder Liefervertrags beruhen, fallen nicht unter den Schutz der Produkthaftpflichtversicherung.
Gesamtschuldnerische Haftung
Sind mehrere Unternehmen an der Herstellung oder Lieferung beteiligt, trägt die Versicherung anteilige Kosten und unterstützt bei der Klärung der Haftungsverteilung. Schäden durch nicht versicherte Personen
Forderungen, die auf Handlungen zurückgehen, für die kein Versicherungsschutz besteht, werden nicht reguliert.

Welche Versicherungssumme ist sinnvoll?

Die Produkthaftpflichtversicherung dient dazu, Schäden zu regulieren, die im Zusammenhang mit konkreten Schadenfällen entstehen. Dabei können Personenschäden, Sachschäden oder daraus resultierende Vermögensschäden geltend gemacht werden.

Als orientierende Mindestabsicherung gelten in vielen Fällen 2 Millionen Euro für Personenschäden sowie 1 Million Euro für Sachschäden. Diese Beträge stellen jedoch keine pauschale Empfehlung dar, sondern sollten an die individuelle Risikosituation des jeweiligen Unternehmens angepasst werden.

Risikobezogene Betrachtung

Die Höhe der Versicherungssumme sollte sich an den produktspezifischen Risiken orientieren. Je nach Verwendungszweck, Herstellungsprozess und Marktpräsenz können sich sehr unterschiedliche Haftungsrisiken ergeben.

Ebenso relevant sind mögliche Folgeschäden oder Schäden, die durch das Zusammenspiel mit anderen Produkten entstehen, etwa wenn Bauteile in ein Endprodukt integriert werden. Auch die Lieferkette und die spätere Nutzung der Produkte spielen bei der Einschätzung des Haftungspotenzials eine wichtige Rolle.

Wirtschaftliche Betrachtung

Eine realistische Einschätzung des Risikos dient nicht nur dem Schutz vor hohen Schadenersatzforderungen, sondern auch der wirtschaftlichen Planung. Die gewählte Versicherungssumme wirkt sich direkt auf die Versicherungsprämie aus.

Je höher die angesetzte Deckung pro Schadenfall, desto stärker fällt die Prämienbelastung aus. Daher ist es sinnvoll, die Versicherungssumme möglichst nah am tatsächlichen Risiko auszurichten, um unnötige Kosten zu vermeiden und gleichzeitig einen ausreichenden Schutz sicherzustellen.

Als Grundlage für die Festlegung der Deckungssumme können statistische Auswertungen, branchenspezifische Schadenverläufe sowie realistische Schaden­szenarien herangezogen werden. Fachkundige Beratung kann dabei unterstützen, eine auf das Unternehmen zugeschnittene Lösung zu finden.

Ab wann besteht Versicherungsschutz?

Die Produkthaftpflichtversicherung richtet sich an Hersteller, Importeure und verarbeitende Betriebe. Die Haftung für ein Produkt entsteht in dem Moment, in dem es in den Verkehr gebracht, ausgeliefert oder – bei montagepflichtigen Waren – nach Abschluss der Montage in Betrieb genommen wird.

Häufig ist diese Versicherung Bestandteil einer betrieblichen Haftpflichtlösung und umfasst sämtliche Produkte, die an Kunden abgegeben werden. Der genaue Beginn des Versicherungsschutzes hängt von der Art des Produkts und den vertraglichen Vereinbarungen ab.

In vielen Fällen gilt der Zeitpunkt des Verlassens des Produktionsstandorts als Beginn des Versicherungsschutzes. Je nach Lieferweg kann der Schutz auch während Transport oder Lagerung greifen, sofern dies vertraglich vorgesehen ist.

Bei Produkten, die direkt vom Hersteller an den Endkunden geliefert werden – einschließlich abschließender Arbeitsschritte wie Kennzeichnung oder Etikettierung – setzt der Versicherungsschutz üblicherweise mit der Übergabe ein.

Produkte als Bestandteil anderer Erzeugnisse

Wird ein Produkt in ein weiteres Produkt eingebaut, beginnt der Versicherungsschutz in der Regel mit der Lieferung an den Abnehmer und besteht über die gesamte Nutzungsdauer fort. Schäden treten häufig erst dann auf, wenn das Endprodukt verwendet wird.

In solchen Fällen können mehrere Zulieferer gemeinsam haftbar gemacht werden, sofern die Ursache auf unterschiedliche Komponenten zurückzuführen ist. Die Produkthaftpflichtversicherung unterstützt hierbei bei der Klärung der Schadenursache und der rechtlichen Zuständigkeiten.

Versicherungsschutz für abgeschlossene Arbeiten und Dienstleistungen

Auch für ausgeführte Arbeiten und erbrachte Dienstleistungen kann eine Haftung entstehen, insbesondere wenn verwendete Materialien oder die Ausführung selbst zu Schäden führen. Der Versicherungsschutz beginnt meist mit der Abnahme der Leistung oder mit der Übergabe an den Auftraggeber.

Werden Produkte fest installiert, etwa Bauteile innerhalb technischer Anlagen, besteht die gesetzliche Verantwortung während des bestimmungsgemäßen Betriebs fort. Tritt ein Schaden infolge eines ursprünglichen Mangels auf, kann die Produkthaftpflichtversicherung zur Regulierung beitragen und die finanziellen Folgen rechtlicher Auseinandersetzungen abfedern.

Häufige Fragen zur Produkthaftpflichtversicherung

Wie wird ein Schadenfall bearbeitet?

Nach Eingang einer Schadenmeldung prüft die Produkthaftpflichtversicherung zunächst die rechtliche Grundlage der Forderung. Dazu werden technische Unterlagen, Produktinformationen und Angaben zum Schadenhergang ausgewertet.
Berechtigte Ansprüche werden im Rahmen des Versicherungsvertrags reguliert. Forderungen ohne ausreichende rechtliche Grundlage werden zurückgewiesen, wobei die Versicherung auch die rechtliche Vertretung des Unternehmens übernimmt.

Welche Unterlagen sollte ein Unternehmen bereithalten?

Für eine zügige Bearbeitung sind unter anderem hilfreich:

  • Produktbeschreibungen und technische Daten
  • Angaben zu Herstellung, Lieferung und Vertrieb
  • Nachweise zur Qualitätskontrolle und Dokumentation von Prüfungen
  • Gebrauchsanweisungen, Sicherheitshinweise und Kennzeichnungen
  • Informationen zu betroffenen Serien oder Chargen

Eine strukturierte Dokumentation erleichtert die Klärung von Ursachen und die Abgrenzung des Haftungsumfangs.

Sind Rückrufkosten mitversichert?

Ob Kosten für einen Produktrückruf gedeckt sind, hängt von den vertraglichen Vereinbarungen ab. In erweiterten Deckungskonzepten können Aufwendungen für Information, Transport, Prüfung oder Entsorgung fehlerhafter Produkte enthalten sein.
Da Rückrufmaßnahmen häufig mit hohen Kosten verbunden sind, empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Versicherungsbedingungen.

Wovon hängen Beitrag und Vertragsbedingungen ab?

Die Prämiengestaltung richtet sich unter anderem nach:

  • Art und Gefahrenpotenzial der Produkte
  • Jahresumsatz und Absatzmengen
  • Vertriebsgebieten und Exportanteilen
  • bisherigen Schadenfällen
  • vereinbarten Versicherungssummen und Selbstbeteiligungen

Diese Faktoren fließen in die Risikobewertung des Versicherers ein.

Wie sollte sich ein Unternehmen im Ernstfall verhalten?

Bei einer Haftungsforderung empfiehlt es sich, den Schaden zeitnah zu melden und alle relevanten Informationen bereitzustellen. Aussagen gegenüber Geschädigten sollten sachlich bleiben und keine Schuldeingeständnisse enthalten, bevor eine rechtliche Prüfung erfolgt ist.
Eine enge Abstimmung mit der Produkthaftpflichtversicherung trägt dazu bei, den Schadenfall geordnet zu bearbeiten und wirtschaftliche Risiken zu begrenzen.

Fazit

Die Produkthaftpflichtversicherung ist ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Risikomanagements für Unternehmen, die Produkte herstellen, vertreiben oder importieren. Sie schützt vor den finanziellen Folgen von Produktfehlern, die zu Personen-, Sach- oder Vermögensschäden führen. Eine sorgfältige Analyse des Produktspektrums, passende Deckungssummen und ein Vergleich verschiedener Angebote helfen dabei, den richtigen Versicherungsschutz zu finden.

Mit wachsender Globalisierung und komplexeren Lieferketten steigt die Bedeutung dieser Versicherung – sie schafft finanzielle Sicherheit und trägt dazu bei, wirtschaftliche Stabilität auch im Schadensfall zu bewahren.

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Linda James
Linda James
Ich bin Linda James, Expertin für Versicherungen in Deutschland. Ich biete fundiertes Wissen und Beratung zu Kfz-, Haus- und Krankenversicherungen und unterstütze Privatpersonen sowie Familien bei der passenden Absicherung für...